Im Interview: Kristina Seeliger von der Honigmond Kosmetik ♥ www.mami-startup.de

von http://www.honigmondsee.de/

Viele Bienen machen auch viel Honig 

Großfamilie und eigener Betrieb? Warum sollte das nicht gehen? Kristina hat insgesamt sechs Kinder im Alter von eins bis 9 Jahren. Auf ihrem Hof vor Frankfurt stellt sie nachhaltige Honig-Kosmetik her. Im Interview erzählt sie, wie sie das alles hin bekommt.

Was kam zuerst: dein Unternehmen oder die Kinder?

Die Unternehmensidee ist durch die Kinder gewachsen. Vorher war ich in einem ganz anderen Bereich tätig. Ursprünglich war ich Mathematikerin. Eine Stabstelle mit Verantwortung und langen Arbeitszeiten. Noch nicht mal in der Kosmetikbranche. Als die Kinder kamen, bin ich ganz klassisch zu Hause geblieben.

Die Kinder habe ich in einen Waldkindergarten gebracht. Die Erzieherinnen dort hatten eine Schwäche für Propolis Creme und mein Mann hatte Bienen. So kam eins zum anderen. Eine Erzieherin hat nicht locker gelassen und mich immer wieder darum gebeten, ihr eine Creme zu machen. Irgendwann habe ich dann aufgehört nein zu sagen und eine Creme gerührt. Als Hobby, so zur Überbrückung.

Die Honigmond Kosmetik kam allerdings erst später. Da bin ich bewusst ganz langsam ran gegangen. Ich hatte kein Startkapital. Außer den Rezepturen und Tigeln brauchte ich auch nichts. Es gab auch kein Marketingkonzept. Mein Credo war immer: ein gutes Produkt setzt sich von allein durch. Das hat mir die Zeit gegeben, die ich gebraucht habe.

So konnte ich auch lernen und meine ersten Kundinnen haben mir viele Rückmeldungen gegeben und mir auch Rührfehler verziehen, ohne dass mir gleich das ganze Unternehmen über dem Kopf zusammen geschlagen ist. Ich war aber auch in der glücklichen Situation, dass ich keine finanzielle Not hatte.

2013 habe ich dann noch ein Kind bekommen und meine Hebamme erzählte mir von DaWanda. Mit dem kleinen auf dem Schoß habe ich dann meine ersten Produkte eingestellt.

Verkaufst du ausschließlich bei Dawanda?

Nein. Der Hofladen ist ein absolutes Muss. Hier berate ich meine Kunden. Ich mache viele Geschenkarrangements und spezielle Verpackungen. Der Laden ist eigentlich unser ehemaliger Stall. Sehr urig und robust. Nicht beheizt, so gar kein Wohlfühlklima. Aber authentisch: passend zum Hof gehalten. Der Tresen und die Regale sind aus Bienenbeuten.

Die Märkte sind eine Möglichkeit für mich, sichtbarer zu werden. Das gibt mir zusätzlich zu DaWanda noch eine weitere Plattform.

Das greift alles gut ineineinander. Der Onlineshop ist genau so wichtig wie die Märkte oder der Hofladen. Auf den Märkten kann man den Online-Shop gut als Referenz angeben. Da steigt der Traffic deutlich, nach jedem Marktwochenende.

Dazu verkaufe ich noch größere Mengen meiner Produkte ungelabelt weiter. Es gab schon Kundinnen, die meine Produkte so gut fanden, dass sie sie selbst vertreiben wollen. Die branden meine Ware dann und übernehmen die Vermarktung. Als Konkurrenz sehe ich das aber nicht. Da wird eine Zielgruppe angesprochen, die ich nicht authentisch bedienen kann. Das ist also eher eine sehr gute Ergänzung.

Was war die größte Hürde für dich und deinen Shop?

Ganz klar: die Zulassung.

In Deutschland muss Kosmetik zugelassen werden. Dafür braucht man einen Gutachter. Als ich beim Lebensmittelkontrollamt angerufen habe, erhielt ich nur einen Rat: „lassen Sie es einfach sein!“. Die Auflagen für Kosmetik sind schon hoch. Die Auflagen für Propolis sind für kleine Hersteller meist nicht umsetzbar. Aber da bin ich stur: geht nicht gibt’s nicht. Jetzt erst recht.

Ich habe ein Jahr lang telefoniert, bis ich einen Gutachter gefunden habe, der bereit war, mit mir zusammen zu arbeiten und der hat mir die Creme dann auch abgenommen. Jetzt habe ich mit dem Propolis natürlich ein sehr gutes Alleinstellungsmerkmal. Es lohnt sich also definitiv, dran zu bleiben.

Was macht deine Produkte aus?

Honigmond steht für qualitativ hochwertige und nachhaltige Produkte. Für die Verpackung verwende ich wo es geht Glas und vermeide Kunststoff. Manchmal muss man da aber auch Kompromisse machen. Die Seifen ziehen Wasser, die muss ich in Folie einschlagen.

Nachhaltigkeit nehme ich wirklich sehr ernst: als Honigmond ein neues Logo bekommen hat, habe ich konsequent die alten Etiketten erst aufgebraucht und nichts weg geworfen, nur weil es nicht mehr aktuell ist.

Die Produkte sind fair eingepreist. Für meine Kunden rechne ich da wirklich mit dem spitzen Bleistift. Bei DaWanda stelle ich die Produkte zum Beispiel nicht in zwei Kategorien ein, sondern habe meine Produkte auf die Kategorien verteilt. So spare ich die Gebühr für die zweite Kategorie und wer eines meiner Produkte entdeckt und Interesse hat, der findet auch den Weg in den Shop.

Die Kunden geben mir auch die Impulse, die ich brauche, um neue Produkte zu entwickeln. Das meiste im Sortiment von Honigmond ist aus den Bedürfnissen meiner Kunden entstanden.

qualitativ hochwertige und nachhaltige Honigkosmetik

Steuerberater, Krankenversicherung, Rente, Berufshaftpflicht, Rechtsschutz, Lebensversicherung, usw.: war Absicherung für dich von Anfang an ein Thema?

Natürlich. Da ich schon vorher privat krankenversichert war, gab es da wenig zu entscheiden. Für die Altersvorsorge habe ich auch schon immer etwas getan.

Die Versicherungen für meinen Betrieb waren erst nach und nach Thema. Da musste ich rein wachsen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Mein Alltag ist sehr strukturiert und gut durch organisiert.

Insgesamt muss ich aber sagen, dass es mit mehr Kindern im Haus deutlich einfacher ist, zu arbeiten, da sie viel zusammen spielen und sich auch zeitweise gut allein beschäftigen. Da höre ich schon manchmal: „Mama wir brauchen dich hier gerade nicht“.

Es hat sich auch bewährt, viel vorzubereiten, wenn ich gerade Leerlauf habe. Davon profitiere ich in Stoßzeiten.

Termine sind knifflig: da muss ich mich immer ein bisschen organisieren. Sind die Kinder betreut? Kann ich das Essen vorbereiten? Gibt es noch etwas zu bedenken? Da bewundere ich meinen Mann: der hat die Gelassenheit zu sagen: „Ich habe einen Termin. Bis dann“. Aber wichtig ist ja nur, dass man den Termin am Ende wahrnimmt, auch wenn man vorher etwas organisieren muss. Und nicht den Kopf in den Sand steckt und aufhört, Termine zu machen.

Damit mir nicht die Puste ausgeht, machen wir jeden Tag 30 Minuten Mittagsschlaf. Das ist eine Familientradition. Mein Mann kommt aus einem Ärztehaushalt, da war der Mittagsschlaf Gesetz. Mir hat das gut gefallen und als mein Mann gesagt hat, dass er keine Schäden davon getragen hat, habe ich das direkt bei uns umgesetzt. Die älteren Kinder dürfen in der Zeit auch gern etwas spielen, wenn sie nicht schlafen wollen. Aber wer schlafen will, der darf seine Ruhe haben. Das gibt mir unheimlich viel Kraft.

Fertigung und Verpackung im Familienbetrieb - Honigmond Kosmetik

Wo siehst du dich in 3-5 Jahren?

Als Geschäftsführerin von der Honigmond. Ich habe lange gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich gar nicht mehr zurück ins Büro möchte. Seit ich den Betrieb nicht mehr als Übergangslösung führe ist der Knoten geplatzt.

Der Betrieb ist immer von innen nach außen gewachsen. Die Produkte sind der Kern. Und die sind sehr gut. Deswegen kann ich mich jetzt mit anderen Themen befassen und die Honigmond weiter ausbauen. Gerade überlegen wir auch die Rechtsform zu ändern.

Unsere Kinder sollen in den Betrieb rein wachsen. Das fördert den Familienzusammenhalt. Ich zwinge sie nicht, mit zu arbeiten, dafür sind sie ja auch noch zu klein. Aber für später finde ich das schon eine schöne Vorstellung. Wir haben das Geld zusammen verdient, das können wir auch zusammen ausgeben.

Was möchtest du Mamas mit auf den Weg geben, die jetzt ihr Unternehmen gründen?

Gerade in der Anfangszeit lohnt sich für Hersteller die Kleinunternehmerregelung. Im Gegensatz zum Handel sind die Rohstoffe nur ein kleiner Teil und die eigene Arbeitszeit macht den Hauptteil aus. Da ist die Kleinunternehmerregelung ein großer Vorteil. Gerade, wenn man ohnehin an Endverbraucher verkauft.
Links
Hier geht es zum DaWanda Shop von Kristina: http://www.honigmondsee.de
Weitere Informationen zur Kennzeichnung und Zulassung von Kosmetik findest du beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit http://bit.ly/KosmetikBVL

 

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